Die Schlittenfahrt Medium der interaktiven Leseförderung Antolin
Bilderbuch

Auf der Flucht vor seinen streitenden Eltern macht ein Kind mit seinem Schlitten eine phantastische Reise bis ins Weltall. (ab 5) Ein Weihnachtsbuch der anderen Art: Nicht Friede, Freude, Eierkuchen, sondern Frust, Frost, Einsamkeit. Wie in allen Jahren vorher haben sich meine Eltern vor Heiligabend gestritten. Ein erster Satz, der frösteln lässt. Allein und umso bedeutungsschwerer steht er links oben auf der ersten Doppelseite. Sie zeigt eine Ecke eines Wohnzimmers, an einer Wand lehnt müde ein Nadelbaum, darunter verteilt sich der Weihnachtsschmuck wie fallen gelassen. An der anderen Wand lehnt eine Axt: Gewalt wird im Spiel sein. Das erste Bild, das Jacky Gleich zu der Geschichte von Jan Koneffke gezeichnet hat, mutet wie das Bühnenbild für eine Tragödie an. Zweites Bild, Bühne frei für die Darsteller: Mutter und Vater in einem dutzendfach gespielten Stück. Sie möchte die Kerzen schon vor Heiligabend anzünden, er ist dagegen. Aus der kleinen Meinungsverschiedenheit wird ein schriller Streit um Grundsatzfragen. Für das Kind mit seiner Vorfreude und seinen Wünschen ist keine Rolle vorgesehen. Es tritt erst auf der dritten Doppelseite in Erscheinung, nachdem es das Theater verlassen hat und mit seinem Schlitten den Hang vor dem Haus hinaufgestapft ist. Doch auch dort ist es noch unfreiwilliger Zuschauer, denn Mutter und Vater sind noch durch das Wohnzimmerfenster zu sehen. Also saust der Schlitten los. Saust am Haus vorbei, durch das Dorf, die Felder, den Wald, die Stadt, übers zugefrorene Meer und schließlich ins Weltall: "Ich glaube, wir hatten eine so hohe Geschwindigkeit, dass er die Erdkrümmung verpasst hat." Erst jetzt ist die Distanz zu den streitenden Eltern groß genug. Und obwohl der Fahrtwind dem Kind die Mütze vom Kopf gefegt hat und alles von Schnee bedeckt oder zu Eis erstarrt ist, friert das Kind dort draußen weniger als an dem Ort, der sich Zuhause nennt. Und im Weltall, umgeben von vielen schönen Planeten, fühlt es sich zunächst weniger einsam als bei seinen Eltern. Das gute Ende der Geschichte glaubt man nach so viel, sowohl von Autor als auch Illustratorin sehr glaubwürdig vermittelter Entfremdung und Vereinsamung nicht so recht: Die Eltern kommen zur Besinnung, und die Kerzen am Baum brennen. Ob die eingekehrte Harmonie von Dauer sein wird, muss sich erst zeigen. Das nächste Weihnachtsfest kommt bestimmt. *ag* Christina Rademacher

Altersempfehlung: ab 5 Jahren.


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Leseror. Aufstellung: Weihnachten

Schlagwörter: Antolin Weihnachten Klasse-2 Eltern Familienkonflikt Kind Schlitten

¬Die¬ Schlittenfahrt / Jan Koneffke. Ill. von Jacky Gleich. - Weinheim : Beltz & Gelberg, 2005. - [32] S. : überw. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-407-79331-7 fest geb. : 12,9

2011/8878 - Bilderbücher (einschl. Märchen- u. Sachbilderbücher) - Signatur: Jm1 Schli - Bilderbuch