Bronsky, Alina
Spiegelkind; 1
Buch

"Normal sein" - nichts zählt mehr in der Gesellschaft, in der Juli aufwächst. Bloß nicht auffallen wie jene Minderheit mit bunt gefärbten Haaren und Tatoos, von den Normalen abschätzig "Freaks" genannt. Lieber höflich wegsehen, wenn irgendetwas einmal nicht seinen gewohnten Gang läuft. Keine Fragen stellen oder Kritik äußern, denn das wird nicht gern gesehen in "der Zeit der totalen Normalität". "Hilfsbereitschaft ist unter uns nicht üblich, jeder ist für sein eigenes Vorwärtskommen selbst verantwortlich." Bislang hatte Juli, Einserschülerin des Lyzeums, einer Eliteschule, deren Besuch ausschließlich Normalen vorbehalten ist, keine Probleme mit Regeln wie dieser. Doch dann findet die 15-Jährige ihr Zuhause eines Tages völlig verwüstet und voller Polizisten vor. Ihre Mutter ist spurlos verschwunden und niemanden - weder ihren Vater, der seit einiger Zeit von ihr getrennt lebt, noch die Beamten - scheint das sonderlich zu beunruhigen. Julis bislang so geordnetes Leben gerät mehr und mehr aus den Fugen. Mit Hilfe der unangepassten und kein bisschen ängstlichen Ksü, die erst seit kurzem am Lyzeum ist, sowie deren älterem Bruder Ivan gelingt es ihr nach und nach mehr über das Verschwinden ihrer Mutter und deren großes Geheimnis herauszufinden: Julis Mutter ist eine Phee. "Pheen sind anders krank! verrückt! können schlimme Dinge tun" - und werden deshalb von den Normalen ebenso gefürchtet wie gejagt. Ich gebe offen zu, dass ich Alina Bronskys Buch zu Beginn recht skeptisch gegenüberstand. Doch ihre Dystopie, die zugleich Entwicklungsroman ist, ist so fesselnd und eindringlich geschrieben, die Schilderung der Welt, in der Juli aufwächst so düster, beklemmend und unserer heutigen Gesellschaft doch gar nicht so fern, dass ich Spiegelkind schon bald gar nicht mehr aus der Hand legen mochte. Im Gegensatz zu ihrem begeistert gefeierten Debüt "Scherbenpark" (2008) lässt die Autorin diesmal auch fantastische Elemente einfließen. Und das macht sie so gut, dass es einem kein bisschen seltsam vorkommt, wenn plötzlich ein Bär in Julis Zimmer steht, um die Männer zu vertreiben, die die von ihrer Mutter gemalten Bilder zerstören wollen. Oder Juli zwischen der Realität und der (Wald-)Welt der Pheen zu pendeln beginnt. "Es fängt alles erst an", schließt Bronsky. Auf die Fortsetzung ihrer "Spiegel"-Trilogie können wir schon jetzt gespannt sein.

Altersempfehlung: ab 14 Jahren.


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Serie / Reihe: Spiegel-Trilogie (2 Medien)

Leseror. Aufstellung: Jugendliche

Schlagwörter: Fantasy Familie Gesellschaftskritik

Interessenkreis: Fantasy

Bronsky, Alina:
Spiegelkind; 1 / Alina Bronsky. - Würzburg : Arena, 2012. - 302 S. - (Spiegel-Trilogie; 1)
ISBN 978-3-401-06798-8 fest geb. : EUR 14,99

2013/0887 - Erzählungen ab 13 Jahre - Signatur: Ju3 Bro - Buch