McEwan, Ian
Saturday Roman
Buch

Fragiles Glück in Zeiten des Terrorismus. (DR) Die Personenkonstellation könnte von Rosemarie Pilcher stammen: Londoner Neurochirurg, mit tougher Juristin verheiratet, beide beruflich erfolgreich, Schwiegervater ein renommierter Lyriker, wohnt in schlossähnlichem Besitztum in Frankreich, zwei ganz wohlgeratene Kinder, die Tochter Lyrikerin mit erster Buchveröffentlichung, der Sohn Bluesmusiker vor dem Karrieresprung nach New York. An diesem Samstag, an dem das Buch spielt, sollen sie alle bei einem Essen wieder vereint sein. Vor Perowne, dem Neurochirurgen, liegt ein Tag mit Squash-Spiel, Einkaufen und Kochen. Getrübt wird der Tagesablauf nur durch seinen Besuch bei der geistig verwirrten Mutter im Pflegeheim. Doch Irritationen schleichen sich ein in das perfekte Szenario: Es beginnt mit einem brennenden Flugzeug über dem morgendlichen Himmel von London, das Perowne beobachtet, während seine Frau noch schläft. Es passiert zwar nichts, aber das Bild verfolgt ihn gedanklich und via Medien den ganzen Tag. Und es ist auch ein besonderer Tag, nämlich jener der Demonstration gegen den drohenden Irak-Krieg. Und dann ist da noch diese Karambolage, die Perownes Luxusauto einen lächerlichen Kratzer zufügt. Leider sind die Unfallgegner Kriminelle, die später noch ins Familienidyll platzen werden. - Ein Roman über globale und private Bedrohungsbilder, zugespitzt auf einen Tag, allerdings stark überfrachtet mit neurochirurgischem und anderem Spezialwissen. Etwas behäbig erzählt. Thematisch jedoch sehr interessant und aktuell die Darstellung des verunsicherten Bewusstseins in Zeiten des Terrorismus, die Auseinandersetzung mit dem Irak-Krieg, medialer Verunsicherung und Angstlust. *bn* Fritz Popp


Rezension


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McEwan, Ian:
Saturday : Roman / Ian McEwan. - Zürich : Diogenes, 2005. - 386 S. - Aus dem Engl.

3229 - Prosa (Romane, Erzähln) übersetzt - Signatur: DU McE - Buch