April in Stein ; Roman

Streibel, Robert

Dokumentar-Roman rund um die Ereignisse der Kremser Hasenjagd, bei der 1945 hunderte Häftlinge des Zuchthauses Krems-Stein ermordet wurden. (DR) Die Bezeichnung "Kremser Hasenjagd" steht für eines der Endphaseverbrechen im nationalsozialistischen Österreich, dem am 6. April 1945 nach der angeordneten Freilassung hunderte, überwiegend politische Häftlinge des Zuchthauses Krems-Stein zum Opfer fielen, gejagt von SS, SA und Wehrmacht unter Mithilfe der lokalen Bevölkerung. Als Historiker hat sich der gebürtige Kremser Robert Streibel intensiv mit der Geschichte seiner Heimatstadt zur Zeit des Nationalsozialismus auseinandergesetzt und jahrelang die verfügbaren Dokumente und Erinnerungen der Überlebenden gesammelt. In kurzen, aber beeindruckend persönlichen Abschnitten versetzt er die LeserInnen in unterschiedlichste Perspektiven sowohl der Insassen als auch des Wachpersonals. Aufgrund der epischen Aufbereitung der wahren Lebensgeschichten fehlt dem Werk im Unterschied zu anderen Romanen das Element der Fiktion, aus dem die LeserInnen üblicherweise beruhigt in die Realität zurückkehren können. Manche mag der Gedanke beruhigen, dass es sich um historische Ereignisse handelt, dass dergleichen heute nicht mehr möglich wäre. Bei kritischen LeserInnen, die die Strömungen der Zeit aufmerksam verfolgen, wird sich diese Idylle wohl nicht so leicht einstellen. Die Pein der beschriebenen historischen Realität, gepaart mit der bangen und nicht zu beantwortenden Frage, wie Ähnliches heute verlaufen würde, machen "April in Stein" zu einer schwermütigen, fast düsteren Lektüre. Düster, aber dringend nötig. Sehr empfehlenswert für alle Bestände.

Interessenkreis: Österreichische Autoren

Streibel, Robert:
April in Stein : ; Roman / Robert Streibel. - St. Pölten : Residenz-Verl., 2015. - 259 S.
ISBN 978-3-7017-1649-4 fest geb. : ca. EUR 22,90

0026814001 - DR - Signatur: DR Str - Dichtung/Belletristi