Rabinowich, Julya
Dazwischen: Ich
Buch

Quelle: 1000 und 1 Buch (http://www.1001buch.at/); Autor: Christina Rademacher; Madina ist 15 und heimlich in den Bruder ihrer besten Freundin Laura verliebt. Doch was für andere Mädchen zum Lebens- und für andere JugendbuchautorInnen zum Buchinhalt wird, ist für diese junge Protagonistin und ihre Schöpferin Julya Rabinowich eine Randgeschichte. Denn Madina hat andere Sorgen: Nach der Flucht aus ihrer von Krieg zerstörten Heimat bewohnt sie mit ihren Eltern, ihrem kleinen Bruder und ihrer traumatisierten Tante ein Zimmer in einem Flüchtlingsheim, wo die Familie Tag für Tag auf den ersehnten Asylbescheid wartet. Doch wenn einmal ein Brief ankommt, ist er von der daheim gebliebenen Oma, und was sie schließlich berichtet, setzt die Zukunft der ganzen Familie aufs Spiel. In tagebuchartigen Einträgen beschreibt Julya Rabinowich aus der Perspektive ihrer Ich-Erzählerin eindringlich die Existenz zwischen zwei ganz unterschiedlichen Welten, mit deren Schwierigkeiten jedes Familienmitglied anders umgeht. Während die Mutter mit all ihrer Liebe versucht, der Familie trotz der ungemütlichen Umgebung Geborgenheit zu vermitteln, starrt die Tante teilnahmslos aus dem Fenster. Während Madina dank ihrer Freundin Laura und den Nachhilfestunden ihrer Lehrerin fleißig Deutsch lernt und so im noch fremden Land mehr und mehr zur Schlüsselfigur für die Familie wird, verweigert ihr Vater den Deutschkurs und verbietet der Tochter auch mit Einsatz von Gewalt vieles, das für Gleichaltrige selbstverständlich ist. Angestoßen durch Ereignisse in der Heimat und der Reaktion des Vaters, mündet die Geschichte von einer Existenz zwischen zwei Welten fast zwangsläufig in die auch gleichnishaft erzählte Geschichte einer weiblichen Emanzipation und entpuppt sich damit als Coming-of-Age-Roman. Aus der durch finstere Täler und wilde Wälder, über schier unüberwindliche Berge und Abgründe irrenden Wanderin wird auf dem stürmischen Meer eine Steuerfrau, die das Familienschiff auf den rechten Kurs zu bringen versucht. Julya Rabinowich, die 1970 ins St. Petersburg geboren und als Siebenjährige nach Wien übersiedelt ist, wo sie als Schriftstellerin bekannt geworden ist, hat ihr erstes Jugendbuch allen Kindern und Jugendlichen gewidmet, die mir begegnet sind und Heimat suchten. Die tiefgreifende Verunsicherung, die ein Leben dazwischen auslöst, schildert sie einfühlsam, aber ohne Pathos und knüpft so schon mit den ersten Sätzen ein Band zwischen Madina und ihren LeserInnen, das noch enger ist als das zu ihrer besten Freundin Laura. Und mit ihrer Figur Frau Wischmann hat die Autorin, die auch als Dolmetscherin arbeitet und in dieser Funktion den Diakonie-Flüchtlingsdienst und ein Betreuungszentrum für Folter- und Kriegsüberlebende unterstützt hat, all jenen ein Denkmal gesetzt, die Flüchtlingen helfen und damit lebensnotwendige Hoffnung geben: Ich würde mich ganz einfach aufhängen, wenn ich sie nicht hätte. ---- Quelle: bn.bibliotheksnachrichten (http://www.biblio.at/literatur/bn/index.html); Autor: Birgit Leitner; In diesem Jugendbuch wird das Thema Flucht aus der Sicht eines jungen Mädchens geschildert, das sich auch mit der breiten Gefühlswelt Heranwachsender auseinandersetzen muss. (ab 13) (JE) Der in St. Petersburg geborenen Autorin gelingt es sehr gut, auch jungen Lesenden das Leben von Familien auf der Flucht näherzubringen und damit eine Brücke zum Verstehen und Mitfühlen zu bauen. Da Rabinowich ihre vielfältigen Erfahrungen in der Flüchtlingsbetreuung mit einbezieht, wirkt die Geschichte des Flüchtlingsmädchens Madina realitätsnah und authentisch. Sehr einfühlsam erzählt Madina in einer Art Tagebuch vom Leben ihrer Familie in einer Flüchtlingspension, von den Zwängen der familiären Traditionen, von der Hoffnung auf den Bescheid, der ein Leben in Freiheit ermöglicht, und von den Vorbehalten ihres Vaters, sich im neuen System integrieren zu wollen. Parallel dazu beschreibt Madina ihre Sehnsüchte und Fragen als junges Mädchen und ihren Wunsch nach Freundschaft und Liebe. Sensibel und doch energisch nimmt sie das Leben ihrer Familie in die Hand. Zu wünschen ist diesem Buch, dass vielen Jugendlichen in unserem Land beim Lesen der Perspektivenwechsel auf das Leben in Angst, Verfolgung und Eingesperrtsein gelingt und dass dadurch ein offener Zugang zu den Menschen mit Fluchterfahrungen möglich wird. ---- Quelle: STUBE (http://www.stube.at/); "Wir sind noch nicht wirklich hier, aber ich arbeite daran," schreibt Ich-Erzählerin Madina in ihr Tagebuch und formuliert dabei eine Richtung, ein Ziel. Mit "hier" ist die deutschsprachige Provinz, die Schule, die neue beste Freundin gemeint. "Hier" ist aber auch die schäbige Pension, die Unsicherheit, die Bürokratie. Dennoch ist es die bessere Alternative zum Krieg, vor dem die Familie geflüchtet ist. Julya Rabinowich, die sich schon in ihren literarischen Texten für Erwachsene, aber auch als Übersetzerin viel mit dem Thema Flucht beschäftigt hat, ist in ihrem jugendliterarischen Debut eine bemerkenswerte Mädchenfigur gelungen, die mit starker Stimme von emotionalen und gesellschaftlichen Nöten erzählt. Aussagekräftig ist die achtsame, aber dennoch kritische Art, auf die Madinas schwierige Beziehung zu ihrem Vater geschildert wird. *STUBE*


Rezension


Dieses Medium ist verfügbar. Es kann vorgemerkt oder direkt vor Ort ausgeliehen werden.

Rabinowich, Julya:
Dazwischen: Ich / Julya Rabinowich. - München : Carl Hanser, 2016. - 254 S.
ISBN 978-3-446-25306-3

5440 - Jugend 10-14 - Signatur: JE.2 Rabi - Buch