Ostermair, Markus
Der Sandler Roman
Buch

"Das darf man eigentlich niemanden erzählen, denkt Karl". - Dies ist der erste Satz des inneren Monologs des ehemaligen Mathelehrers Karl Maurer.


Rezension

Mit diesem Satz werden die Leser*innen von Markus Ostermair in die Schamgebiete der Obdachlosigkeit eingeführt. Dem Protagonisten Karl war ein Kind in das Auto gelaufen und starb. Gerichtlich wird er von Schuld freigesprochen, aber den immer wiederkehrenden Film des Unfalls wird er nicht los. Er versucht ihn wegzutrinken und verliert Arbeit, Frau, Kind und Wohnung. Hier setzt die Romanhandlung ein, die konsequent aus der Figurenperspektive mit den Mitteln des inneren Monologs und der erlebten Rede erzählt wird, ohne belehrende oder gar moralisierende Erzählkommentare des Autors. In einem der Anfangskapitel - "Der Eintopf" lernen wir bereits den größten Teil der Handlungspersonals (Jürgen, Albert, Mechthild) und die Kulisse von "Pi mal Daumen zweiundvierzig ungewaschenen Männern und einem Dutzend Frauen", die - sich eingeschlossen - Karl als "Scheiterhaufen" bezeichnet. Allein dieses 25seitige doppeldeutige "Eintopfkapitel" wäre eine Inszenierung wert!

Markus Ostermair ist ein packender Großstadtroman gelungen, der die Leser*innen durch die armen Teile Münchens führt, der inhaltlich überzeugend die Vielfalt der Obdachlosigkeiten aufblättert und damit in bester Tradition des Obdachlosenromans "Die Sonne der Sterbenden" (1999) von Jean-Claude Izzo steht.

Rezensent: Reinhold Zenke


Personen: Ostermair, Markus

Schlagwörter: Obdachlosigkeit

Ostermair, Markus:
Der Sandler : Roman / Markus Ostermair. - Hamburg : Osburg, 2020. - 370 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-95510-229-6 geb. : EUR 20.00

Zugangsnummer: 2015/0242
Romane, Erzählungen, Dramen, Lyrik, Sammlungen - Signatur: Ost - Buch