Vigan, Delphine de
Dankbarkeiten Roman
Buch

Roman über die Menschenwürde angesichts physischen und psychischen Verfalls.

Die 1966 geborene und in Paris lebende Autorin Delphine de Vigan gehört zu den wichtigsten Stimmen der neueren französischen Literatur. Vigans jüngster Roman erzählt eine Geschichte, wie sie real wohl selten vorkommt, nämlich von ungezwungenen Besuchen im Seniorenheim. Madame Seld, genannt Michka, eine alte Dame von 84 Jahren, kann nicht mehr allein leben. Marie, die frühere Nachbarstochter, für die Michka wie eine Großmutter ist, organisiert den Umzug ins Heim. Die dritte Figur, der Logopäde Jérôme, macht mit Michka dort regelmäßig Sprachübungen. "So, Michka, hören Sie mir gut zu: Antiquitätenhändler, Schallplattenhändler, Buchhändler, Möbelschreiner. Welcher Oberbegriff verbindet sie miteinander?" Darauf Michka: "Das Verschwinden?" Derartig humorvoll gestaltete Dialoge sparen allerdings auch die ernste Seite nicht aus, denn Michka leidet an Aphasie. Noch dazu plagen die alte Dame Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg. Aber auch die beiden anderen Figuren haben Probleme: Marie ist ungewollt schwanger und Jérôme hat mit seinem Vater gebrochen. So ist es dann oft Michka, die sich um ihre beiden Jungen kümmert und trotz ihres Verfalls zur scharfsichtigen älteren Freundin wird, der man nichts vormachen kann. Vigan erzählt ohne sentimentale Gebärden und auf engstem Raum - alle Gespräche finden wie in einem Kammerspiel in Michkas Zimmer statt - von drei Menschen, die füreinander da sind ohne etwas voneinander zu verlangen. Sie versteht es, das Grauen des körperlichen und geistigen Verfalls durch die vielen empathischen Momente zwischen den Generationen abzumildern. *bn* Simone Klein


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Personen: Vigan, Delphine de Heinemann, Doris

Vigan

Vigan, Delphine de:
Dankbarkeiten : Roman / Delphine de Vigan. Aus dem Franz. von Doris Heinemann. - 3. Aufl. - Köln : DuMont Buchverl., 2020. - 163 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-8321-8112-3 fest geb. : EUR 20,60

Zugangsnummer: 2021/0285
Schöne Literatur - Buch